Von Andalusien nach Chefchaouen

Ende Februar hatte ich die Gelegenheit genutzt, mit einer Gruppe spanischer Fotografen einen Wochenendausflug nach Chefchaouen, in Marokko zu unternehmen. Von Málaga aus ist Marokko ja nur einen Katzensprung entfernt. Ich bereise Marokko nun schon seit einigen Jahren und habe mittlerweile auch gute Freunde dort, doch in Chefchaouen (auch Chaouen, Xauen) war ich noch nicht und ich muss sagen, ich war begeistert.

Ausflug in das Rif-Gebirge

Am ersten Tag wollten wir hinauf in das Rif-Gebirge. Als wir in Chaouen starteten, regnete es in Strömen. Je höher wir kamen, desto mehr ging der Regen in Schnee über. „Das geht doch niemals gut“, dachte ich mir mit dieser Skepsis, die ich bereits in Andalusien gelernt hatte und kurze Zeit später war auch kein Weiterkommen mehr, die Reifen drehten durch. Den Autos vor und hinter uns ging es ebenso. Nur gut, dass wir uns auf einer wenig befahrenen Strasse befanden. Der Fahrer hatte zwar Schneeketten dabei, doch aus welchem Grund auch immer, konnte er die nicht anbringen.

Wir haben dem Schneesturm, der mittlerweile aufgekommen war, getrotzt und vielen schöne Fotos geschossen. Letztendlich gelang es uns (mehr eigentlich den Marokkanern, die plötzlich von überall her kamen), den Bus auf der Stelle zu drehen und es ging wieder etwas hinab, nach Khizana, wo wir vorzüglichst verköstigt wurden und weitere schöne Fotos gemacht haben.

Chefchaouen

Am kommenden Tag haben wir dann Chaouen unsicher gemacht. Chaouen ist eine kleine Provinzhauptstadt in den Ausläufern des Rif-Gebirges mit außerordentlichem Charme. Nicht umsonst nennt man sie die blaue Perle Marokkos. Angestrahlt vom Sonnenlicht leuchten die Häuser der Altstadt in den unterschiedlichsten Blautönen.

In ihrer Architektur ähnelt die Altstadt von Chaouen sehr  stark den Dörfern in Andalusien, vorneweg denen der Alpujarra von Granada. Jahrhundertelang galt die Stadt als heilig, und Ausländern war der Zutritt unter Todesstrafe verwehrt. Dies hat auch dazu beigetragen, dass ihre wunderbare mittelalterliche Architektur erhalten blieb. Chaouen war lange Zeit unter spanischem Protektorat, und auch heute noch spricht der Großteil der Bevölkerung dort Spanisch. Man könnte sagen, Chaouen ist die andalusische Stadt Nord-Marokkos, mit marokkanischer Tradition und andalusischem Flair. Die Einwohner sind sehr gastfreundlich und viel zurückhaltender, als in anderen Teilen Marokkos.

Mit Jesús Botaro nach Marokko

Geleitet wurde die Fotoreise von Jesús Botaro, einem spanischen Reise- und Street-Fotografen. Kennengelernt hatte ich Jesús auf dem Fotofestival in Mijas (Málaga). Sein Vortrag über Reisefotografie hatte es mir angetan, so dass ich mich gleich zu dieser Fotoreise angemeldet hatte. Er kommt schon seit sieben Jahren nach Chefchaouen und Dank seiner Arbeit und Workshops gibt es dort eine beachtliche, einheimische Fotografenszenen. Immerhin organisieren die jungen Männer, die über Jesús zur Fotografie gekommen sind, dieses Jahr schon das 4. Internationale Fotofestival in Chefchaouen (13.05. – 15.05.2016). Ich werde mit Jesús vor Ort sein, wer mitkommen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Wenn Zeit ist, werden wir (ich als Übersetzer) einen kleinen Fotowalk durch Chaouen organisieren.

In seinen Workshops zeigt Jesús, wie man in fremden Ländern, in fremden Kulturen (er unternimmt auch Fotoreisen nach Kambodscha und Thailand), ohne Sprachkenntnisse das Eis brechen kann, um zu dem Foto zu kommen, das man haben möchte bzw. im Kopf hat. Ohne Scheu begrüßt er wildfremde Menschen (wobei viele Einwohner Chaouens ihn bereits kennen), zeigt ihnen seine Fotos in der Kamera oder drückt ihnen diese in die Hand, damit sie ein Foto von ihm machen.

Mein Fazit

Marokko ist nicht umsonst unter den Top 10 Fotoreise-Destinationen der Welt. Eine Reise nach Marokko ist auch immer eine Reise in die Vergangenheit zu einer farbenfrohen, leicht chaotischen Kultur, die gleichzeitig viele europäische Einschläge hat und vor allem eine Kultur, die Ihre Besucher willkommen heißt, gastfreundlich bewirtet und auch beschützt.  Ich werde jedenfalls wiederkommen, neue Freundschaften schließen und schöne Fotos mit nach Hause bringen.

Wenn jemand von Euch mal überlegt, während seinens Andalusien-Urlaubes einen Ausflug nach Chefchaouen zu unternehmen, der findet hier ein interessantes Ausflugsangebot (Zwei Tage Chefchaouen auf eigene Faust).

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, freue ich mich auf Euren Kommentar.